Ein Buch voller Emotionen

12 Kurzgeschichten – als seien es Fragmente aus Tagebüchern geschrieben von Menschen, die eine schwere Zeit durchleben. Der Autor Sven Hensel konfrontiert den Leser mit Emotionen, die wir vorzugsweise verschweigen bzw. unterdrücken. Trauer, Angst, Zorn, Hass werden u. a. in den Themen Alzheimer, Krieg, Klimawandel und Rassismus aufgezeigt. Dabei beweist Hensel eine außergewöhnliche Empathie. Er versetzt den Leser Wort für Wort in die jeweilige Situation, als habe er sie selbst erlebt.

Besonders gut gefallen hat mir die Geschichte „Die Stimmen aus den Ruinen unserer Welt“. Eine Person schreibt einen Anklagebrief aus der Zukunft, in der mittlerweile die Erde unbewohnbar ist. Der unaufhaltsame Klimawandel, die grenzenlose Ausbeutung und Ignoranz hat alles zerstört, was wir als selbstverständlich ansahen: Trinkwasser, Frieden, Luxus. Hensel beklagt hierbei vor allem das Desinteresse der jungen Generation für unseren Planeten. „Likes“ auf Facebook, Instagram sind wichtiger als „echte“ menschliche Nähe und aufrichtiger Zusammenhalt. Der Egoismus spiegelt sich in der Generation „Selfies“ wider: ICH, dann lange nichts und dann vielleicht du und diese Natur mit ihren Tieren.

Der Mensch entfernt sich von der wahren Welt, indem er in die digitale Welt flüchtet. Hensel klagt diese Passivität an – wütend, hilflos – als säße er wirklich in der Zukunft und sieht, was wir der Erde angetan haben …was wir uns Menschen angetan haben. Eine Kurzgeschichte, die ich als Lesepflicht in Schulen einführen würde.

Sven Hensel führt den Leser „Ins Ungewisse“. 12 Kurz-geschichten, u. a. über Alzheimer, Krieg, Klimawandel und Rassismus.

Allgemein finde ich die Idee sehr mutig, über Themen zu schreiben, die unbehaglich sind, aber so verdammt wichtig! Nicht jede Geschichte wird einen gleichsam berühren, dazu sind unsere Erfahrungen und Interessen zu unterschiedlich. Ich denke, erkannt zu haben, welche Geschichten Hensel besonders am Herzen lagen und dadurch besser gelungen sind. Das kann aber auch nur meiner subjektiven Wahrnehmung bedingt sein.

Eigentlich müssten jetzt Kritikpunkte folgen, aber ehrlich gesagt, gibt es an diesem Buch nichts auszusetzen. Manchmal hätte ich eventuell eine andere Zeitform gewählt, da ich Präsens leserfreundlicher als Präteritum empfinde; oder ich hätte weniger Passivsätze gewählt. Aber all das ist Geschmacksache und jeder Autor hat seinen eigenen Stil. Hensel schreibt lebendig und authentisch über Themen, über die wir nicht schweigen dürfen. Es ist ein wichtiges Buch, das unser Bewusstsein schärft für Gemeinschaftssinn, Mut, Empathie und Toleranz. Hut ab!

Aufmerksam bin ich auf das Buch durch Hensels Blog geworden, auf dem Autoren interessante Posts zum Schreiberleben finden.

Sven Hensel auf Twitter

„Ins Ungewisse“ auf Amazon

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